Schadenfreiheitsklasse übertragen in der KFZ Versicherung

Schadenfreiheitsklasse übertragen in der KFZ Versicherung

Direkt vorab. Da in diesem Bereich die Fragestellung immer sehr individuell sein kann, werde ich diesen Artikel bei Bedarf ergänzen. Die Schadenfreiheitsklasse übertragen sollte immer mit Bedacht so einiger Punkte durchgeführt werden.
Als Vorlage nutze ich die Allgemeine Bedingungen für die Kraftfahrtversicherung AKB 2015 vom GDV. Wie immer, dürfen die Versicherer davon abweichen, tun es in der Regel meistens nur hinsichtlich der Zahlen, nicht vom Prinzip.

Definition Schadenfreiheitsklasse

Der gesamte Unterpunkt I dreht sich in den Musterbedingungen AKB 2015 um das Schadenfreiheitsrabatt-System, oftmals auch Schadenfreiheitsklasse genannt. Diese dient der Bemessung der Prämie, je nach Anzahl der schadenfreien Jahre. Dieses erfolgt in der KFZ Haftpflicht und Vollkasko Versicherung. Hierauf hat der Versicherungsnehmer eigenen Einfluss. In der Teilkasko gibt es daher kein Schadenfreiheitssystem, da auf diese Schadensarten hat der Versicherungsnehmer in der Regel keinen Einfluss.
Es wird hierin festgehalten, dass mit jedem Jahr ohne Schaden die Schadenfreiheit um ein Jahr steigt.

Einstufungen – Sondereinstufungen

Ersteinstufung

Das SF-Rabatt System beginnt mit der Stufe 0.

Führerscheinregelung

Wenn ein Führerschein drei Jahre oder länger vorhanden ist, kann mit der SF-Stufe 1/2 begonnen werden.

Zweitwagenregelung

Hier geben die allgemeine AKB die Möglichkeit der SF1, bzw. SF3 wenn alle Fahrer älter als XX sind her. Hier gibt es in der Regel die größten Abweichungen, welche bei vielen Versicherern sehr unterschiedlich sein können. Meistens entspricht die sogenannte Zweitwagenregelung einer SF2.

Vollkaskoregelung

Wenn seit einem Jahr keine Vollkasko bestanden hat, wird diese SF-Stufe die der Haftpflicht angepasst. Das bedeutet, wenn man in der Haftpflicht eine SF-Stufe von 10 Jahren hat, bekommt man diese auch in der Vollkasko. Diese ist dann auch übertragbar.
Tipp
In der Konsequenz bedeutet dieses auch, das wenn man eine „negative Serie“ in der Vollkasko hatte und dort im Verhältnis sehr schlecht eingestuft ist, kann es sich lohnen, sofern das Fahrzeug es zulässt (nicht neu, teuer, hochwertig und oder finanziert, geleast, etc.), mehr als ein Jahr keine Vollkasko abzuschließen um hier wieder der SF-Stufe der Haftpflicht angepasst zu werden.

Weitere Regelungen

Hier sind die Phantasien der Versicherer keine Grenzen gesetzt. Da sie auch nicht einheitlich sind, ist es auch sehr schwer hierzu eine Übersicht zu geben, das kann in diesem Fall nur ein qualifiziertes KFZ-Tarif-Vergleichsprogramm. Ich arbeite hier mit Nafi, wie sicherlich viele andere Versicherungsmakler gleichfalls.

Schadenfreiheitsklasse übertragen

Welche Möglichkeiten der Übertragung der Schadensfreiheitsklassen gibt es? Auch diese sind wiederum in den Bedingungen zu finden und dort definiert, weitestgehend bei den meisten Versicherern identisch.

Gruppen

Die Fahrzeuge werden in mehrere Gruppen gegliedert. Man kann Schadensverläufe aus der gleichen Gruppe übertragen oder einer höheren Gruppe (siehe I.6.2.1). Welches sind die Gruppen?

a Untere Fahrzeuggruppe
Pkw, Leichtkrafträder, Krafträder, Campingfahrzeuge, Lieferwagen, Gabelstapler, Kranken- und Leichenwagen.
b Mittlere Fahrzeuggruppe
Taxen, Mietwagen, Lkw und Zugmaschinen im Werkverkehr
c Obere Fahrzeuggruppe
Lkw und Zugmaschinen im gewerblichen Güterverkehr, Kraftomnibusse sowie Abschleppwagen.

Des Weiteren gilt folgende Regelung in der Regel zusätzlich.
„Eine Übertragung ist zudem möglich von einem Lieferwagen auf einen Lkw oder eine Zugmaschine im Werkverkehr bis xx kW, von einem Pkw mit 7 bis 9 Plätzen einschließlich Mietwagen und Taxen auf einen Kraftomnibus mit nicht mehr als xx Plätzen (ohne Fahrersitz). Gemeinsame Übernahme des Schadenverlaufs in der Kfz-Haftpflicht- und der Vollkaskoversicherung.“

Damit steht fest, dass man zum Beispiele keine Schadensfreiheitsklasse von einem Auto auf ein LKW übertragen kann. Jedoch von einem LKW auf ein Auto.

Übernahme der Schadenfreiheitsklassen durch Ehegatten, Kinder, Todesfall und Firma

Hier gelten folgende Regelungen nach I.6.2.3 meistens.

„Wir übernehmen den Schadenverlauf von einer anderen Person nur für den Zeitraum, in dem das Fahrzeug der anderen Person überwiegend von Ihnen gefahren wurde. Zusätzlich müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:


a Es handelt sich bei der anderen Person um Ihren Ehepartner, Ihren eingetragenen Lebenspartner, Ihren mit Ihnen in häuslicher Gemeinschaft lebenden Lebenspartner, ein Elternteil, Ihr Kind oder Ihren Arbeitgeber;


b Sie machen den Zeitraum, in dem das Fahrzeug der anderen Person überwiegend von Ihnen gefahren wurde glaubhaft; hierzu gehört insbesondere eine Erklärung in Textform von Ihnen und der anderen Person; ist die andere Person verstorben, ist die Erklärung durch Sie ausreichend; die Vorlage einer Kopie Ihres Führerscheins zum Nachweis dafür, dass Sie für den entsprechenden Zeitraum im Besitz einer gültigen Fahrerlaubnis waren;


c die andere Person ist mit der Übertragung ihres Schadenverlaufs an Sie einverstanden und gibt damit ihren Schadenfreiheitsrabatt in vollem Umfang auf;
d die Nutzung des Fahrzeugs der anderen Person durch Sie liegt bei der Übernahme nicht mehr als xx Monate zurück.“

I.6.2.3 AKB 2015 GDV

Hier erkennt man, dass folgende Punkte erfüllt sein müssen:

  • der andere muss mit der Abgabe einvestanden sein (Probleme bei Scheidung)
  • man muss das Fahrzeug glaubhaft regelmäßig gefahren sein (Probleme bei entfernten Verwandten)
  • man muss über den Zeitraum selber einen Führerschein gehabt haben (Probleme bei Führerscheinentzug mit Neuausstellung, bzw. kürzerer Führerscheindauer als Schadenfreiheitshhöhe)

Wie man sieht, lohnt es sich hierfür in die Bedingungen zu schauen. Es steht, wie immer, alles notwendige hier drin. Einfach mal so ein „paar Prozente aus irgendeinem Vertrag übertragen“, wie man es immer wieder erlebt, ist nicht so einfach. Es gibt Spielregeln für alle Seiten, die es einzuhalten gilt.

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